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Fundstellen  Kreidegrube Saturn   [Beschreibung] [Bilder]
Kreidegrube Saturn


Übersicht

 Bundesland
Schleswig-Holstein
 Ort
Lägerdorf / Kreis Steinburg
 Fundstellenart
Kreidegrube
 Status
Abbau eingestellt
 Fundmöglichkeiten
gut (aber nur 2 Termine im Jahr)


Geologischer Hintergrund
Vor etwa 70 Millionen Jahren war der Bereich des heutigen Schleswig-Holsteins Teil eines subtropischen Meeres, dessen Nord- und Südküste sich von den baltischen Ländern bis zum Atlantik hin ausdehnte. Verantwortlich für die heutzutage bei Lägerdorf anzutreffende Kalkschicht waren in erster Linie die mikroskopisch kleinen Kalkteilchen von winzigen Meeresorganismen, die sich am Meeresgrund ablagerten. Insgesamt wurde durch sie im Laufe von Millionen von Jahren eine Kalkschicht mit einer Mächtigkeit von bis zu 400 Metern gebildet.
Es stellt sich an dieser Stelle jedoch die Frage, wie diese Schichten der Oberkreide bis kurz unter die heutige Erdoberfläche gelangten und nicht wie im Regelfall in Norddeutschland unter kilometerdicken Schichten jüngerer Erdzeitalter begraben sind. Ursache hierfür sind die im Untergrund befindlichen Salzlager, die sich während des Perms gebildet hatten. Auf Grund des enormen Drucks der sie überlagernden Schichten drängten die Salzlager vereinzelt nach oben (Halokinese). Überall dort, wo sie in Form von Salzstöcken auf Schwächezonen im Untergrund trafen, durchbrachen sie diese und drängten weiter Richtung Erdoberfläche, wobei sie die überlagernden Schichten ebenfalls mit nach oben drückten. Eine dieser Schwächezonen befand sich im Untergrund des heutigen Lägerdorf, sodass die nach oben gedrängte Kreideschicht dort heute nur wenige Meter unter der Erdoberfläche anzutreffen ist. Dem Prinzip der Halokinese verdanken wir auch andere Aufschlüsse in Norddeutschland, wie zum Beispiel die Insel Helgoland, die Liether Kalkgrube oder aber den Gipsberg in Bad Segeberg.


Historischer Hintergrund
Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten Bauern erstmals, dass sich unter ihren Äckern Kreide befand. 1860 wurde daraufhin in Lägerdorf das erste Kreidewerk errichtet, mit welchem der Abbau im großen Stil und damit auch der Wandel Lägerdorfs vom verschlafendem Bauerndorf zu einem wohlhabenden Industriestandort eingeläutet wurde.
Als eine der noch existenten Gruben in Lägerdorf gehört die die Kreidegrube Saturn heute der Holcim AG. Seit 2001 wird in der Grube kein Abbau mehr betrieben - immer wieder aufkommende Pläne, die Grube zu fluten, wurden bis heute zum Glück noch nicht realisiert.


Aktuelle Situation & Fundmöglichkeiten
In der Kreidegrube wird seit 2001 kein Abbau mehr betrieben, trotzdem gibt es in der teilweise renaturierten Grube noch sehr gute Fundmöglichkeiten für Fossilien der Oberkreide (Belemniten, Seeigel, Brachiopoden uvm.). Für den Sammler von Mineralien interessant sind in erster Linie die beiden in der Kreide konkretionär entstandenen Minerale Pyrit und das meist instabile Markasit, deren Fundmöglichkeiten zumindest im August 2005 jedoch als mäßig bis nahezu aussichtslos anzusehen waren. Außerdem von Interesse dürfte der kryptokristalline Feuerstein sein, der mit etwas Glück Hohlräume aufweist, die mit kleinen Quarzkristallen, Chalcedon und selten auch Calcit oder Baryt ausgekleidet sein können.

Das Betreten und Sammeln in der Grube ist derzeit noch erlaubt, wenn auch nur an jeweils zwei ausgewählten Tagen im Jahr - das mag wenig erscheinen, doch dürfen wir uns alle glücklich schätzen, dort überhaupt noch die Gelegenheit zum sammeln zu bekommen. Die Termine für das Betreten der Grube können bei der Holcim AG erfragt werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Grube an den Sammlertagen im Rahmen einer Exkursion aufzusuchen (z.B. veranstaltet durch den Umweltbildungsverein Geo step by step e.V.).


Quellen & Literaturhinweise
unbekannt (28.12.2002) - Weißes Gold aus Schleswig-Holstein, Hamburger Abendblatt
unbekannt - Lägerdorfer Chronik II
Lierl, H.-J.; Wittern, A. (1996) - Lapis Jg. 21 / Nr.6
Wittenauer, B.; Nestler, A. (1974) - Der Aufschluss Jg. 25 / Nr. 6
Wittern, A. (1994) - Taschenbuch der Mineralienfundstellen Mitteleuropas

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